Natural Branding

Mit dem Laser gegen Plastik-Müll

 

Die Natur besitzt die beste Verpackungslogistik der Welt. Theoretisch. Von der Avocado bis zur Zucchini kommen Obst und Gemüse mit sicheren, sauberen und nachhaltigen Verpackungen von der Plantage ins Regal. Doch Kennzeichnungswünsche, Logos und Herstellerangaben machen der rein biologischen Verpackung einen Strich durch die Rechnung. Bisher musste Plastik her, um die Warenkennzeichnung gerade bei Öko-Lebensmitteln umzusetzen. Doch jetzt steht mit Natural Branding die Revolution im Supermarkt bevor. Wie funktioniert die Laserbeschriftung für Obst und Gemüse?

Bio und Plastik – wie geht das zusammen?

Der Widerspruch könnte nicht größer sein: ausgerechnet Bio-Obst und -Gemüse landen in Plastik verpackt im Supermarkt, während die Produkte der konventionellen Landwirtschaft lose angeboten werden.

Der Grund dafür ist so simpel wie folgenschwer. Denn der Verbraucher und auch die Mitarbeiter an den Kassen sollen den Unterschied zwischen beiden Herstellungsverfahren auf den ersten Blick erkennen. Und dafür müssen Bio-Produkte im Supermarkt mit umfangreichen Labels, Logos und Kennzeichnungen versehen werden, die sich ohne Aufkleber oder Verpackung bisher nicht unterbringen ließen.

Im Bioladen oder auf dem Wochenmarkt ist dieser Zwischenschritt nicht nötig, denn unverpackte Lebensmittel müssen sich in der Frischeabteilung nicht gegen die konventionelle Konkurrenz behaupten. Doch Bio boomt vor allem im Supermarkt. Und damit wächst der Bedarf an Plastikverpackungen – zumindest so lange, wie herkömmliche Methoden zur Kennzeichnung verwendet werden. Genau an diesem Punkt kommt Natural Branding ins Spiel.

Eine Frage ist indes berechtigt: Warum wird die Verpackungswut nicht einfach umgedreht? Bio darf lose liegen, herkömmliche Produkte kommen hinter Folie? Die Antwort liefert der Blick in die Absatzzahlen. Konventionell produzierte Lebensmittel führen immer noch die Verkaufslisten an. Der Plastikberg würde so also noch größer. Schon darum gehören Bio und Natural Branding einfach zusammen.

Natural Branding nutzt die einzig wahre Bio-Verpackung: die Schale

Beim Natural Branding trägt ein Laser in Sekundenbruchteilen die obersten Pigmentschichten der natürlichen Schale ab und prägt dabei einen Schriftzug oder ein Logo in genau der richtigen Größe, genau der richtigen Position und mit einem individuellen Design ein.

Diese Methode wird häufig mit dem Tätowieren verglichen, doch umgekehrt wird ein Schuh draus: Ähnlich wie bei der Tattoo-Entfernung kommen keine Farbpigmente hinzu, sondern werden durch das gebündelte Licht zerstört. Weil die oberste Schicht die intensivste Färbung der Schale aufweist, prägt sich die Warenkennzeichnung praktisch wie ein Negativ-Abdruck in die Frucht ein.

Damit nutzt Natural Branding die einzig wahre ökologische Verpackung, ohne den Geschmack oder die Frische der Lebensmittel zu verändern. Kleberückstände von Aufklebern, Plastik und Farben sind mit dieser Methode passé. Vom zusätzlichen Verpackungsmaterial ganz zu schweigen.

Was ist an einem Laser natürlich?

Die Idee, die Schale direkt zu beschriften ist nicht neu. Schließlich sucht die Bio-Branche seit Jahren einen Ausweg aus dem Widerspruch von Ökologie und Umverpackung. Auch in der konventionellen Landwirtschaft bleibt die Diskussion nicht aus, obwohl hier der Zwang zur Umverpackung geringer ausfällt.

Doch jede andere Methode – seien es Aufkleber oder Farbmarkierungen – löste das Problem bisher nicht. Denn immer mussten Zusatzstoffe, Chemikalien und Pigmente eingesetzt werden. Zudem erwiesen sich die meisten Methoden als unwirtschaftlich. Sie verlangten Manpower, Nacharbeit und kamen am Ende des Tages wieder nicht ohne Plastik und Umverpackung aus.

Nun ist auch ein Laser eine technische Errungenschaft und sicherlich weit von echter Natürlichkeit entfernt. Doch die Methode des Natural Brandings addiert keine Stoffe. Sie subtrahiert nur Farbpigmente, die vollkommen natürlich in der Schale der Feldfrucht vorkommen.

Dabei bleibt der gebündelte Lichtstrahl so nah an der Oberfläche, dass die eigentliche Frucht unter der Schale weder beschädigt noch verändert wird. Zudem können Verbraucher den Schriftzug – je nach Frucht – einfach mit der Schale entfernen und kompostieren. Oder mitessen.

Wie wirtschaftlich ist Natural Branding?

Erste flächendeckende Pilotprojekte mit Natural Branding konzentrieren sich bisher nur auf Früchte, die eine besonders dicke, nicht essbare Schale besitzen. Damit wollen die Handelsunternehmen die Scheu vor der Methode nehmen und so die Akzeptanz beim Verbraucher erhöhen.

Diese ersten Schritte sind bereits erfolgreich gestartet, doch kann sich Natural Branding nur durchsetzen, wenn mehr Früchte und Gemüse infrage kommen – und das Branding automatisch und ohne zusätzlichen Aufwand für die Produzenten möglich wird. Denn trotz aller Ansprüche an die Ökologie bleibt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit zentraler Faktor für Produzenten und Unternehmen.

Genau an dieser Stelle kommen die Innovationen von EcoMark ins Spiel. Die Maschinen sind in der Lage, selbst feinste Zitrusfrüchte, die bisher für diese Methode ungeeignet schienen, mit einem Laser zu markieren. Außerdem erfolgt das Branding vollkommen automatisiert und mit einer Beschriftungszeit ab 0,3 Sekunden pro Logo. Hochgerechnet auf eine ganze Kiste Obst oder Gemüse sinkt der Bearbeitungsaufwand also enorm.

Außerdem brauchen die natürlichen Labels weder Vorbereitungszeit noch Druckvorlagen: Eine abgestimmte Steuerungssoftware kann praktisch jede Warenkennzeichnung umsetzen – und zum Ändern des Labels sind nur wenige Klicks nötig.

Das erleichtert nicht nur den Wechsel zwischen verschiedenen Produkten, sondern sorgt auch dafür, dass Neuerungen bei der Kennzeichnungspflicht, Marketing-Vorgaben oder Design-Ideen sofort und ohne Label-Ausschuss umgesetzt werden können.

Natural Branding ist zudem preiswerter als Aufkleber und Plastikverpackungen und zur Zeit nicht nur die ökologischste, sondern auch die ökonomischste Methode zur Kennzeichnung von Obst und Gemüse. So werden auch jetzt schon manche konventionelle Produkte mit Natural Branding gekennzeichnet!

Der Verbraucher ist teilweise (noch) skeptisch – doch Natural Branding ist die Methode der Zukunft

Die Resonanz bei den Verbrauchern ist vielfach positiv. Die Skepsis gegenüber Natural Branding hat sich allerdings bisher noch nicht bei allen Verbrauchern gelegt. Das hat mehrere Ursachen. Zum einen liegt es am mangelnden Wissen über die Methode. Schließlich kann der Laie nur schwer nachvollziehen, dass ein Laser dazu in der Lage ist, auf den Mikrometer genau Pigmente zu zerstören, ohne die eigentliche Substanz anzugreifen.

Eben deshalb beschränken sich die ersten breitenwirksamen Gehversuche auf besonders dickschalige Produkte. Das hat jedoch nichts mit der eigentlichen Leistungsfähigkeit moderner Laser zu tun, die Höhenunterschiede bis zu 50 Millimeter automatisch ausgleichen können – sofern die richtige Maschine zum Einsatz kommt.

Zum anderen wünschen die Verbraucher Nachweise, dass die natürliche Markierung wirklich keinerlei Einfluss auf die Beschaffenheit des Produkts hat. Diese Nachweise sollen im Idealfall unabhängige Tests liefern. Erste Zertifikate von anerkannten Universitäten liegen bereits vor. Obwohl es Beweis genug sein müsste, dass das Natural Branding europaweit zugelassen ist und innovative Unternehmen entsprechende Software und Maschinen anbieten.

Nicht zuletzt ist Natural Branding eine Umstellungsfrage: Kunden haben sich daran gewöhnt, im Supermarkt nach (Bio-) Produkten in Plastikverpackungen Ausschau zu halten. Auch die bekannten, bunten Bio-Labels haben sich ins Gedächtnis geprägt.

Ähnlich wie beim Wegfall der kostenlosen Plastiktüte im Einzelhandel oder der Einführung des Pfandsystems dürfte es noch etwas dauern, bis Natural Branding so alltäglich wie der Stoffbeutel oder die Pfandflasche ist. Durchsetzen wird es sich trotzdem.

Denn alle bisherigen Neuerungen, die den Plastikmüllberg verringern sollten, haben sich fest etabliert und werden in der breiten Fläche bestens angenommen. Auch, wenn vorher lautstark Bedenken geäußert wurden.

Die Kunden wissen, dass es in Sachen Umweltschutz keine Alternativen zur vollständigen Plastikvermeidung gibt. Natural Branding ist schlichtweg die nächste Stufe auf dem Weg zu einem Leben ohne sinnloses Plastik, aber mit ganz viel Frische, Natürlichkeit und Achtsamkeit für die Umwelt.